Die Sache mit dem eigenen Stil

Hallo da draußen!

Stil. Was ist Stil, was sind Trends. Wie lassen wir uns beeinflussen und was macht meinen eigenen Wohnstil einzigartig? Irgendwie geistert diese Frage in letzter Zeit öfters mal durch die "Blogosphäre" - zum Beispiel bei Ricarda von 23qmstil in ihrem Beitrag zur IMM in Köln.
Und auch ich stelle mir gerade diese Frage. In so einer neuen Wohnung kann man ja mal wieder einen Rundumschlag in Sachen Einrichtung machen - und endlich muss nicht mehr alles funktional in 20qm gequetscht werden. Hier ist Platz! Platz für alles neu. Alles anders. Mal Kontraste reinbringen - oder doch lieber ganz harmonisch? Und dann zieht da ja auch noch ein Mann mit rein, den kann man ja auch nicht einfach mit Pastelltönen erschlagen, sodass er sich wie im Puppenhaus fühlt. Was sagt denn der Trend so, was ich tun soll?

Der geht ja weiterhin zu klaren Formen, skandinavischem Flair und zur Neuinterpretation von Möbeln aus der Jahrhundertmitte. Aber auch Ethno zieht auf unsere Balkone und in unsere Wohnzimmer ein. Nicht zu vergessen: Pflanzen. Überall Pflanzen. Der Urban Jungle ist nicht mehr aufzuhalten (mag ich sehr!). Dazu gibt's die Trendfarben des Jahres von Pantone - Rosequartz & Serenty. Eigentlich ist doch von allem was dabei. Aber bin das ich? Ist das mein Stil? Oder finde ich das nur bei anderen schön und denke es könnte mein Stil sein? Wie findet man den eigentlich? Oder findet der einen? Huch, der Kopf raucht.

Ganz grundsätzlich liebe ich ja alte Möbel - die sind robust und schön. Ich könnte stundenlang über Antikmärkte wandern, an Möbelwachs schnuppern und Holzwurmlöcher zählen. Alte Möbel sind was tolles und deswegen möchte ich meine auch nicht missen. Mein Freund sagte letztens "deine Möbel haben alle Totschlagargumente"- ja, die sind nicht nur massiv, sondern alles Familienerbstücke. Da kommt die noch so praktische IKEA-Kommode nicht gegen an. Meine Kommode wurde halt von meinem Papa von seinem allerersten Gehalt gekauft. Und ich habe einiges an alten Möbeln mit ähnlichen Argumenten. Da wäre die alte Reisekiste, eine Kommode und zwei Kiefernschränke - in einem steht sogar drin wann ich wie groß war. Mit denen muss man schonmal leben, wenn man mit mir zusammenleben will. Die sind die Grundausstattung. Und die sind auch auf 70qm noch dominant, prägen den Stil der Wohnung. Und zu denen muss man auch passen, wenn man ein neues Möbelstück in dieser Wohnung sein will. Schwierig - ich geb's ja zu. Das wunderbare Milano Sofa von Bolia hat's da gut - das darf hier ohne wenn und aber einziehen. Einfache Form, robustes Material, schöne Farbe. Perfekt und ein toller Kontrast zu meinem mintfarbenden Schrank im Wohnzimmer (und der bald farblich passenden Wand dazu!). Ich freu mich drauf!

Das Schlafzimmer ist in meinen Augen bisher perfekt geworden. Die alten Möbel, neben den modernen Lampen aus der Sinnerlig Kollektion und leichtes weiß, passend zum wundervollen Stuck und meiner heißgeliebten Schiebetür. Wie heißt der Stil jetzt so? Ist das dieses eklektische von dem immer alle reden?

Unsere neue Hausbar Ecke dümpelt epochal irgendwo zwischen 50er, 70er und heute rum - mit einer kleinen Prise Dschungel dazu. Die mag ich auch sehr. Vor allem diese Hausbar - ein ganz tolles Fundstück aus den Kleinanzeigen. In der Plantbox von Fermliving dschungelt es weiter fröhlich vor sich hin - und das gute Stück ist ein toller Kontrast zu der wuchtigen Schiebetür. Diese Ecke wird bald noch durch ein String-Regal komplettiert, der kleine Farbfetischist in mir (es muss alles, was offenes Holz ist zusammenpassen, sonst ist es unruhig!) muss nur nochmal gucken welche Farbe die Bretter haben sollen.


Allgemein beeinflusst der kleine Farbfetischist in mir mein Einrichtungsverhalten sehr. Ich merke es gerade an der Suche nach einem Couchtisch - rechteckig soll er sein, praktisch und schön. Ich liebe helles Holz. Aber es passt nicht zum Fußboden. Ein alter midcentury Couchtisch würde farblich passen, ich störe mich aber an der Größe dieser Dinger und viele passen einfach nicht zur Couch. Deswegen schauen wir doch mal was der Trend sagt: Ich finde die Tische von HAY, Muuto & Co wunderschön. Klare Linien, grafische Formen, schlichte Farben. Z.b. der Tray-Table von Hay - eigentlich perfekt. Aber sie sind mir einfach zu empfindlich. Ein Kratzer und es ist vorbei mit dem schönen Design-Tisch. Die sind doch alle nicht mehr für die Ewigkeit gemacht und größtenteils leider aus Furnierholz. Irgendwie finde ich das in der Preisklasse wirklich schade. Wo ist das Massivholz abgeblieben? Muss ich am Ende doch selbst was bauen? Ich schweife ab.

Zurück zum Thema. Was ist denn nun mein Stil? Wann genau hat man den jetzt? Ist der immer da?Oder ist dieser "eigene Stil" am Ende nicht einfach das, was man sich selbst zusammenwürfelt? Sei es geerbt, ertrödelt oder von Trends inspiriert. Und lässt sich das in den meisten Fällen überhaupt in Worte fassen, was jetzt was ist? Ist das nicht auch vollkommen egal solange man sich einfach wohl und vor allem zuhause fühlt? Ich denke ja.
In diesem Sinne: macht es euch gemütlich & habt ein schönes Wochenende!




Kommentare :

  1. Liebe Johanna,

    das hast du so wunderschön geschrieben, du sprichst mir aus der Seele! Ich finde es auch total wichtig, dass man seinen eigenen Wohnstil findet und nicht einfach nur stur den Trends folgt, aber eine Definition dieses "eigenen Stils" fällt mir ebenfalls schwer. Zeitlose Möbel mit Geschichte gehören für mich definitiv auch dazu, da hast du wirklich ein paar ganz tolle Exemplare. :)
    Und wenn du einen schönen Couchtisch findest, kannst du ja vielleicht meiner Schwester einen Tipp geben, die sucht nämlich auch schon länger nach einem passenden. :)

    Liebste Grüße aus Berlin, Dominique

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  2. Schöner Post und so wichtig, ich finde man kann sehr schnell erkennen, ob jemand seinen eigenen Stil gefunden hat und eine eigene Handschrift entwickelt hat. Wie die dann aussieht ist ja dann egal! Deine Wohnbiographie hört sich wunderbar an, tolle Stücke mit ganz viel Geschichte, so was mag ich ganz besonders gern.
    Liebe Grüße

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