Es summt wieder! Mit Rewe auf einer Pro-Planet Plantage in Brandenburg





[bezahlte Kooperation mit der REWE-Group]
Seitdem ich mich aktiv damit auseinandersetze, was ich konsumiere und wo meine Lebensmittel, Klamotten, etc. herkommen, bin ich ziemlich kritisch geworden. Ich kaufe fast nur noch Bio-Lebensmittel, wenn möglich sogar aus der Region, weil diese konventionelle Landwirtschaft mit ihren chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln mir irgendwie ein Graus ist. Kaum höre ich „konventionelle Landwirtschaft“ denke ich an Bayer, Monsanto, behandeltes Saatgut und Glyphosat. Ich bin da irgendwie sehr empfindlich geworden - immerhin möchte ich gern, dass dieser Planet auch in der Zukunft lebenswert bleibt.
Deswegen war ich sehr gespannt, als mich die REWE Group nach Berlin einlud, um am Trendfrühstück des Tagesspiegels teilzunehmen und anschließend einen Trip nach Werder an der Havel zu einem Apfelhof zu machen, der im Rahmen des Pro-Planet-Projekts zusammen mit dem NABU so umgestaltet wurde, dass trotz konventionellen Anbaus für eine größere Artenvielfalt vor Ort sorgen soll.

Das große Thema, welches beide Veranstaltungen verband, war die Artenvielfalt und der Schutz von Insekten. Grund dafür ist ein deutlicher Rückgang der Insektenpopulationen im ländlichen Raum - vielleicht ist es euch auch schonmal aufgefallen, als ihr mit dem Auto über Land gefahren seid: kaum noch tote Fliegtiere auf der Windschutzscheibe.



Was das für unsere Zukunft bedeuten könnte hat der Discounter PENNY, ebenfalls ein Teil der REWE Group, vor einigen Wochen eindrucksvoll in einer Filiale in Langenhagen bei Hannover zur Schau gestellt:
Es wurden alle Produkte aus den Regalen geräumt, die es ohne die Bestäubung von Bienen nicht gäbe. Die Folge: es gab noch einiges an Alkohol zu kaufen, aber der Rest der Regale war ziemlich leer. Eine eindrucksvolle Demonstration, die für großes mediales Interesse gesorgt hatte.

Beim Trendfrühstück des Tagesspiegels diskutierten unter dem Thema "Artenvielfalt - wieso wir unsere Insekten schützen müssen" Harald Ebner, MdB der Grünen im Bundestag, Norbert Lemken, "Director Agricultural Policy" bei Bayer und Ralf Schulte vom NABU. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stephan Wiehler - Redakteur des Tagesspiegels.



Schnell rückte die Landwirtschaft als ein Grund für das Insektensterben in den Fokus der Diskussion, auch wenn man sich in der Runde einig war, dass es nicht sinnvoll ist, den Landwirten allein den schwarzen Peter in dieser Lage zuzuschieben.
Während der Vertreter der Bayer AG darauf beharrte, dass Pflanzenschutzmittel notwenig seien und es überdies nicht abschließend geklärt sei, dass diese wirklich ein Grund für den Rückgang der Artenvielfalt sind, sahen sowohl Harald Ebner (Nur 5 % eines Pflanzenschutzmittels wirkt an der Pflanze selbst, 95% davon gehen in den Boden) und Ralf Schulte den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln als kritisch an und forderten einen langfristigen Systemwechsel in der Landwirtschaft, welcher von der Politik gefördert werden müsse.



Für Norbert Lemken ist ein solches Umdenken nicht notwendig - seiner Ansicht nach werde der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Zukunft, im Zuge der Digitalisierung der Landwirtschaft, eh zurückgehen. Ein Systemwechsel hin zum ökologischen Landbau habe hingegen eine geringere Effizienz zur Folge. Zusätzlich verwies er auf die Tatsache, dass die im Biolandbau eingesetzen Mittel auch nicht ganz unschädlich für die Natur seien.

Zur Effizienz gab Harald Ebner zu bedenken, dass diese nicht ausschließlich am Ertrag zu messen sei, sondern am generellen ökologischen Fußabdruck des Endproduktes.

In Bezug auf den Einsatz von Kupfer im Biolandbau hat der Herr von Bayer jedoch nicht ganz unrecht. Denn die romantische Vorstellung davon, dass im Biolandbau nur gestreichelt wird, ist auch nicht ganz richtig. Hier wird meist das Schwermetall Kupfer als Antipilzmittel ausgebracht, dessen Einsatz auch nicht völlig bedenkenlos ist.



Schlussendlich war man sich dann aber doch in einem Punkt einig: es hilft langfristig nicht die ganze Zeit übereinander zu reden, es muss ein Forum her, bei dem konstruktiv miteinander geredet und nach Lösungen gesucht werden muss.

Ich persönlich fand die Positionen des Vertreters der Grünen und dem des NABU für mich nachvollziehbar, die Meinung des Herren von Bayer und seine sehr ausweichenden und umkonkreten Antworten auf Fragen, zum Teil sehr unglaubwürdig. Ein Vertreter aus der Landwirtschaft hätte der Runde aus meiner Sicht sehr gut getan. Denn so wurde nur über die Landwirte gesprochen anstatt mit ihnen. Grundsätzlich hätte ich mir gewünscht, dass die Diskussion mehr Fahrt aufgenommen hätte - dafür und für eine tiefergreifende Diskussion, war der Rahmen jedoch zu klein und die Zeit zu begrenzt. Dennoch habe ich viel gelernt und für mich selbst einiges an Input mitgenommen.



Mit all diesen Informationen im Gepäck ging es dann nach Werder an der Havel, zum Betrieb "HavelFrucht", der inzwischen in der vierten Generation besteht und wo aktuell, unter der Leitung von Geschäftsführer Thomas Giese, auf 160 Hektar Obst angebaut wird - 60 Hektar davon sind Äpfel. Die „HavelFrucht“ ist ein konventioneller Betrieb, es kommen also chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger zum Einsatz. Die hier geernteten Äpfel werden anschließend unter anderem an die Märkte der REWE Group vermarktet.



Wenn die Äpfel aus diesem Betrieb dann in einem Markt der REWE Group im Obstregal liegen, tragen das „Pro-Planet-Siegel“, was bedeutet, dass sie "von Herstellern stammen, die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt in den Anbaugebieten einsetzen."

Weiterhin heißt es auf der Homepage zum Siegel:

"Die Erzeuger arbeiten mit der REWE Group, der Bodensee-Stiftung, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. und Birdlife Österreich zusammen. Die Obstbauern schaffen z.B. Lebensräume für Insekten, indem sie Blumenwiesen und blühende Hecken anlegen. Das Nahrungsangebot für Bienen wird damit ganzjährig verbessert. Bienen helfen den Erzeugern durch die Bestäubung der Apfelblüten den Ertrag und die Qualität zu verbessern. Insekten sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Vögel.“
Ziel hierbei ist, dass auch Äpfel aus der konventionellen Landwirtschaft nachhaltiger werden, für den Verbraucher jedoch weiterhin genauso viel kosten, wie ein herkömmlicher Apfel aus konventionellem Anbau. Dafür fördert die REWE Group Kooperationen zwischen dem NABU und Erzeugern in ganz Deutschland finanziell.



Wie das in der Praxis aussieht, haben wir uns also bei der „HavelFrucht“ angesehen. Seit 2011 wird dieser Betrieb im Rahmen des Pro-Planet-Projektes durch den NABU Landesverband Brandenburg und den NABU Kreisverband Potsdam in Bezug auf Naturschutz und den Erhalt von Artenvielfalt beraten. Seitdem ist folgendes geschehen:
  • Um die Apfelplantagen herum wurden Hecken aus circa 10.000 Wildgehölzen gepflanzt.
  • Es wurden circa. 10 Hektar Dauerblühflächen angelegt.
  • In den Fahrgassen der neu angelegten Apfelplantagen wurden auf 21 Hektar in den Fahrgassen spezielle „Fahrgassenmischungen“ ausgesäht. 
  • 150 Greifvogelstangen wurden installiert.
  • Im Sommer letzten Jahres wurde zudem eine 2,1 Hektar große Streuobstwiese mit 175 Obstbäumen angelegt, auf der aktuell 10 Schafe der Rasse „Krainer Steinschaf“ weiden.
  • 5 große Insektenhotels und viele kleine wurden am Rand der Plantagen aufgestellt.




… hinzu kommen diverse Kästen für verschiedene Vogelarten, für Hornissen und Fledermäuse und laufende Umbauten von alten Schuppen in Fledermausquartiere und Nistmöglichkeiten für Schwalben, die von den engagierten Mitarbeitern des NABU installiert wurden.

Es ist also einiges passiert, was man auch auf den ersten Blick sieht, wenn man so durch die Anlagen streift. Die großen Mono-Flächen der alten Apfelanlagen sind umringt von wilden Hecken, in denen sich Insektenhotels und die Sitzstangen für die Raubvögel finden, auf den nicht bewirtschafteten Flächen finden sich Wildblumenwiesen.



Die neu bepflanzen Apfelplantagen stehen weiter voneinander entfernt und zwischen den einzelnen Reihen sieht es durch die „Fahrgassenmischungen“ viel natürlicher aus. Zwischen den Bäumen hängen Nistkästen. Schilder klären vorbeikommende Spaziergänger und Radfahrer darüber auf, was getan wurde und die Schafe auf der Streuobstwiese waren obendrein zuckersüß!







So weit, so natürlich, so gut für die Artenvielfalt.

Für mich, als Landwirtschaftlichen Laien, stellt sich jedoch direkt eine Frage: ist das mit den Pflanzenschutzmitteln so gut für die Tiere, die durch die Maßnahmen wieder hier herumschwirren und die Vögel in ihren Nistkästen? Alles gar kein Thema beschwichtigt mich Geschäftsführer Thomas Giese. Für die Vögel seien die ausgebrachten Mittel ungefährlich, und zum Schutze der Bienen werde nur nachts, wenn diese Schlafen, gespritzt. Und tragen die dort lebenden Honigbienen nicht die Pflanzenschutzmittel aus den Blüten in ihren Honig?

Nein, lautet die Antwort von Herrn Giese. Der Imker, der seit mehr als einem Jahrzehnt seine Bienen auf den Ländereien fliegen lässt, lasse seinen Honig regelmäßig testen und dieser enthalte keine bedenklichen Inhaltsstoffe.



Aber warum unterstützt die REWE Group den konventionellen Landbau anstatt Projekte im Bio-Sektor zu fördern?

Im Gespräch mit den vor Ort vertretenen Mitarbeitern der REWE Gruppe wird mir klar: meine Bio-Haltung und ich sind teil einer Minderheit unter den Kunden. In den Märkten von REWE sind im Schnitt gerade einmal 4% der Waren bio. Was Äpfel angeht, gibt es in dem REWE bei mir ums Eck von etwa 8-10 verschiedenen Sorten gerade einmal eine Bio-Sorte. Schlichtweg, weil der durchschnittliche Einkäufer nicht bereit dazu ist mehr für seinen Apfel zu zahlen, wenn er Bio ist. Denn wir Deutschen geben im europaweiten Schnitt vergleichsweise wenig Geld für Lebensmittel aus - und wollen das für ein bisschen Bio, wie es scheint, nicht ändern.



Dementsprechend soll das Pro-Planet-Programm die konventionellen regionalen Erzeuger dazu motivieren sich für den Artenschutz in ihrer Region stark zu machen, was durch engagierte Mitarbeiter des NABU vor Ort umgesetzt wird. So wird der weniger nachhaltige, konventionelle Anbau zumindest in einem Aspekt nachhaltiger. Obendrein profitieren die Betriebe davon, dass ihre Bäume besser bestäubt werden, weil mehr Insekten unterwegs sind. Eine win-win Situation für Natur und Erzeuger.



Ob Herr Giese durch diesen ersten Schritt nun auf Bio umsteigen würde? Nein, das sei keine Option für ihn sagt er. Aber die Kooperation mit dem NABU gefalle ihm bis hierhin sehr gut.



Das Pro-Planet-Projekt ist also keine Strategie, die auf einen langfristigen Systemwechsel ausgelegt ist, aber dennoch ein schönes Beispiel dafür, wie Unternehmen, Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam ihren Teil zur Lösung eines großen Problems beitragen können.

Für diesen Artikel wurde ich von der REWE Group nach Berlin eingeladen und habe gemeinsam mit anderen Bloggern und Medienvertretern den Tag verbracht. Für diesen Artikel wurde ich von der REWE Gruppe bezahlt, er gibt jedoch meine persönliche Meinung wieder.



















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