Wie wollen wir wohnen?

Seit etwas über vier Jahren wohnen mein Freund und ich nun in unserer Stadtwohnung. Sie ist schön, sie ist hell und eine Traumwohnung auf 73qm mit Küche, Bad und einem – für Kieler Verhältnisse – ziemlich großen Südbalkon. Zum “Komplettpaket Traumwohnung” gibt’s noch Dielenboden, Stuck, eine Schiebetür, ein super Vermieter und eine bezahlbare Miete oben drauf.

Aber ich muss sagen: je länger ich so im Zentrum wohne, desto mehr sehne ich mich nach Ruhe und etwas mehr Grün um mich herum. Zwar bin ich mit dem Rad in ein paar Minuten im Garten, aber irgendwie steigt seit meinem Start ins Kleingarten-Leben mein Bedürfnis danach auch beim Blick vom Balkon oder aus dem Fenster mehr Natur zu sehen, als einen einsamen Baum im Innenhof.

Dazu kommt, dass wir bald einen Hund bei uns aufnehmen wollen – eine Wohnung im dritten Stock empfinde ich dafür nicht als optimal. Und auch in Hundekreisen scheiden sich die Geister an der Frage, ob Hund nun Treppen steigen darf oder aber nicht. Die einen sagen so, die anderen so. Und ich denke mir: naja, er wird es wohl schaffen, aber weiter unten wäre schon was feines.

Seit ein paar Wochen habe ich Suchaufträge auf den gängigen Portalen laufen, die mich über neue Wohnungen informieren. Inzwischen haben wir uns sogar schon mehrere Wohnungen angeschaut. Wohnungen in Stadtvillen, die nur 5 Minuten weiter außerhalb liegen – aber viel zu groß für zwei Nasen sind. Ein Reihenhaus im Grünen – aber trotzdem noch zentral – für das wir uns aber zu jung fühlen. Eine Eigentumswohnung mit Garten hätten wir uns fast angesehen. Nur eine Straße weiter. Aber der Preis? Astronomisch. das Konzept Tiny House finde ich auch irgendwie cool. Aber das funktioniert bisher doch eher auf dem Land. Und ohne Auto ist man da dann schon eher aufgeschmissen.

Und so kommt immer wieder die eine Frage auf: Was wollen wir eigentlich?

Grundsätzlich muss man sagen: wir sind in einer sehr komfortablen Situation. Wir sind nicht zwangsläufig auf eine neue Wohnung angewiesen und wir haben absolut gar keinen Stress. Aber würde das Upgrade auftauchen, würden wir uns bewerben. Wenn nicht, kann ich hier auch noch eine ganze Weile wohnen bleiben.

Mein Upgrade der Traumwohnung wäre diese Wohnung, wie wir sie jetzt haben, ins Erdgeschoss gebeamt. Das Schlafzimmer wäre im kleinen Zimmer und statt Arbeitszimmer gäbe es ein flexibel nutzbares Ess- und Arbeitszimmer. Dazu gäbe es – idealer Weise – einen direkten Zugang zu einem kleinen Gemeinschaftsgarten.

Denn je öfter ich mir Wohnungen in ruhigen Ecken ansehe, desto mehr merke ich, dass die Vorstellung von einer Wohnung so ganz im Grünen total schön ist, die Realität aber irgendwie nicht zu uns passt. Oft sind die Mietgärten doch etwas zu groß und ich will “Garti”, den Schrebergarten auf keinen Fall aufgeben. Abgesehen davon finde ich es schwierig viel Liebe in einen Mietgarten zu stecken, der mir jederzeit wegen Eigenbedarf oder durch eine Mieterhöhung genommen werden könnte.

Und ich liebe das Viertel, in dem wir jetzt wohnen, auch wenn am Wochenende auch mal um vier Uhr morgens Partypeople grölend durch die Straße ziehen und mir den Schlaf rauben – es ist halt lebendig. Dafür bin ich in 5 Minuten auf dem Wochenmarkt, der zwei Mal in der Woche stattfindet. Ich bin in 15-20 Minuten zu Fuß am HBF. Ich fahre mit dem Rad 5 Minuten in meinen Garten, wo ich mitten im Grünen bin. Carsharing-Stationen sind mannigfaltig vorhanden und der fancy Craftbeer-Laden ist nebenan. Das Büro ist auch gerade mal 10 Minuten mit dem Rad entfernt und mein Freund genießt es jetzt jeden Morgen 20 Minuten zu Fuß zur Arbeit zu gehen anstatt, wie vorher, 1,5 Stunden zu pendeln.

Und ich liebe diesen typischen “Kieler Altbau”. Drei Zimmer, Küche, Bad auf etwas über 70qm finde ich für zwei Personen ideal. Ich würde auch etwas mehr nehmen, aber ab einem gewissen Punkt wird es absurd – finde ich. In einer der Wohnungen, die wir besichtigt haben, haben wir uns auf den 110qm schon sehr verloren gefühlt.

Und dann ist da ja auch noch das Thema Preis. Was will man für das Wohnen ausgeben? Wieviel Prozent des gemeinsamen Gehalts will man jeden Monat ausgeben? Und will man mieten oder kaufen?

Ich sag’s mal so: kaufen ist gerade schon irgendwie raus. Die Preise sind gerade auf einem Level, wo ich mich frage, wer sich denn bitte noch Eigentum im Zentrum leisten können soll. Und ich glaube, ich will auch keine Wohnung in einer Eigentümergemeinschaft haben. Daher – zumindest vorerst – weiterhin mieten.

Aber auch da frage ich mich bei so manch einem Inserat, ob die Leute was geraucht haben. Aber es gibt in Kiel auch noch Wohnungen für die realistische Preise aufgerufen werden.

Wir haben viel diskutiert, viel überlegt und sind uns einig: für die perfekte Wohnung würden wir auch einen Ticken mehr zahlen, als wir jetzt monatlichen blechen. Aber eben auch nicht so viel, das am Ende nix mehr übrig bleibt. 30% wäre das Maximum, das wir ausgeben wollen. Mir ist wohnen durchaus wichtig, aber eben nicht um jeden Preis.

Ihr merkt schon, meine Suchkritierin ist recht eng. Und dann muss der Vermieter auch noch Tiere in seiner Wohnung akzeptieren. Verbieten darf er es natürlich eigentlich nicht mehr, aber wir spielen mit offenen Karten und hoffen, dass es irgendwann passt.

Ob ich diese neue Traumwohnung jemals finden werde? Gute Frage. Ich habe das Gefühl diese Juwelen werden eher unter der Hand weitergegeben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf – und bis dahin haben wir es ja auch hier ganz wunderschön.

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3 thoughts on “Wie wollen wir wohnen?”

  1. Hallo Johanna,
    Jetzt möchte ich mich doch mal zu Wort melden, weil uns das Thema auch sehr beschäftigt. Wir, ein Ärztepaar, Berufsanfänger, sind gerade vonHannover nach Lübeck gezogen und haben eine Wohnung gesucht. Wir wollten gerne etwas schönes zum Wohlfühlen eben und waren auch bereit einen für Lübeck verhältnismäßig hohen Preis zu zahlen. Doch das Ganze war wahnsinnig schwierig. Entweder die Vermieter wollten nur Renter nach dem Motto “sie bekommen eh bald Kinder” oder sagten zu meinem Freund “ein Zweijahresvertrag reicht uns nicht” (an der Uni bekommt man nichts anderes) oder wollten (bei zwei Ärztegehältern Bürgschaften der Eltern. Die ganze Situation hat mich wirklich traurig gemacht, wie sollen weniger Verdienende überhaupt noch etwas finden!

    Dann hätten wir die Chance eine schöne Doppelhaushälfte zu mieten, eigentlich ein Traum. Vor allem weil ich immer schon viel auf meinem Balkon gärtnere, aber zwischen Dreirädern und Familienkutschen hat das Bauchgefühl auch noch auf einmal nicht mehr gestimmt.

    Tja, zu Schluss haben wir eine feine Wohnung gefunden, aber die ganze Angelegenheit hat viele Fragen in mir zu mir zu Thema Wohnen aufgeworfen. Danke daher für deine anregenden Worte!

  2. Liebe Johanna,
    ich kenne all Deine Überlegungen 🤯😆 Ich bin vor 1,5 Jahren aus meinem wunderschönen Haus mit kleinem Garten in Kronshagen in eine Mietwohnung im Knooper Weg gezogen. Mit meinem Hund 🐶 Mitten in die Stadt also 👀… der Lärm von der Straße, Ober-Unter-Nebenmieter war anfangs ohrenbetäubend!!! Mittlerweile liebe ich das Viertel hier – ich glaube, ziemlich bei Dir um die Ecke…bin schon mal im Schrevenpark an Dir vorbeigelaufen 😉 – echt ins Herz geschlossen und möchte EIGENTLICH gar nicht mehr hier weg… aaaber : meine 2 Zimmer sind leider beide zur Straße… Strassenrauschen statt Meeresrauschen… ich hätte gern 1 Zimmer mehr… mein Garten & die Ruhe fehlen mir ganz furchtbar… ich überlege schon lange, mir auch einen Schrebergarten zuzulegen… oder weiter rauszuziehen… dann fehlen mir aber wieder die tollen Cafés & Restaurants, der Park … die Leute… die Hansastraße…die Holtenauer… 🙈… und eben etwas BEZAHLBARES – sei es mieten oder kaufen- ist nur über Kontakte zu finden.
    Solltet Ihr Beide jemals aus Eurer schönen Wohnung ausziehen, sag doch bitte Bescheid !!! Oder wenn bei Euch im Haus etwas frei wird!!! Ich hätte soo gern eine Altbauwohnung ❤️
    Übrigens… wenn Du mal einen kleinen, süßen „Übungshund“ haben möchtest, sag Bescheid 😊 liebe Grüße
    Julia

  3. Ich mag eure Wohnung! Und muss zum Erdgeschoss in der Stadt ganz ehrlich sagen: vielleicht auch nicht optimal?! Wir haben das bisher immer ausgeschlossen: zu dunkel, den Blicken der Passanten ausgesetzt, statistisch am anfälligsten für Einbrüche, und falls es mal Abflussprobleme gibt, bleibt im Erdgeschoss alles hängen (war in unserem letztes Miethaus mal das Problem). Deshalb: ja, manchmal gibt’s das perfekte Gesamtpaket vielleicht einfach nicht. In unserer aktuellen Altbauwohnung lieben wir zwar unseren Dielenboden, aber nachts den Nachbar aus dem Stockwerk unter uns schnarchen zu hören ist manchmal dann doch etwas zu viel.

    Hier steht jetzt der Umzug ins Ausland bevor und wir werden erst vor Ort auf Wohnungssuche gehen können, haben also gerade noch gar keine Idee, wie unser baldiges Zuhause für mindestens das nächste Jahr aussehen wird und ob überhaupt alles reibungslos klappt. Vielleicht beunruhigende Aussichten – aber auch so wunderbar offen! So viele Möglichkeiten!

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